Wichtig vorweg: Solange keine neue Verordnung final beschlossen und in Kraft ist, gilt weiter EU261 in der heutigen Auslegung (inkl. der bekannten 3-Stunden-Logik bei Ankunftsverspätung). 2026 ist deshalb vor allem ein Jahr, in dem du zwei Dinge parallel brauchst:
- Klarheit, was aktuell gilt (damit du nichts verschenkst)
- Überblick, was sich möglicherweise ändert (damit du richtig planst)
Dieser Guide ordnet den Stand ein – ohne Panik, aber mit Praxisfokus: Was ist realistisch, was ist Marketing-Nebel, und was kannst du sofort tun?
1) Kurz erklärt: Was EU261 heute für dich bedeutet
EU261 regelt bei Problemen wie Flug Annullierung, Nichtbeförderung (Overbooking) und großen Verspätungen im Kern drei Dinge:
- Betreuung (Essen/Trinken, Kommunikation; ggf. Hotel + Transfer bei Übernachtung)
- Wahlrecht bei Annullierung/teilweise bei großen Verzögerungen: Erstattung oder Ersatzbeförderung
- Ausgleichszahlung (Entschädigung) unter bestimmten Voraussetzungen (typisch: wenn die Airline verantwortlich ist und keine „außergewöhnlichen Umstände“ greifen)
Die 3-Stunden-Diskussion betrifft vor allem Punkt 3.
2) Was 2026 „in Bewegung“ ist: Der Konflikt in einem Satz
Im Raum stehen zwei gegensätzliche Linien:
- Linie A (härter für Passagiere): Entschädigung soll erst später greifen (z. B. 4 oder 6 Stunden) – dafür teils mit angepassten Pauschalen.
- Linie B (passagierfreundlicher): 3-Stunden-Regel beibehalten (oder sogar Rechte ausbauen), dafür mehr Klarheit, weniger Schlupflöcher, bessere Durchsetzung.
Weil beide Seiten (Mitgliedstaaten/Branchen vs. Parlament/Verbraucherschützer) unterschiedliche Ziele haben, ist 2026 vor allem eins: Verhandlung + Feinschliff.
3) Das könnte sich ändern (und das solltest du wirklich auf dem Schirm haben)
A) Die Entschädigungsschwelle: 3 Stunden vs. 4/6 Stunden
Das ist der Kernpunkt. Je nachdem, welche Linie sich durchsetzt, passiert Folgendes:
- Wenn die Schwelle steigt: Viele „klassische“ 3–4-Stunden-Verspätungen würden seltener entschädigt.
- Wenn 3 Stunden bleiben: Für dich bleibt die wichtigste Basis unverändert – aber es könnten neue Pflichten für Airlines dazukommen (z. B. bessere Information, bessere Umleitung).
Praxis-Einordnung: Solche Schwellen-Änderungen sind politisch heikel. Falls es 2026 überhaupt eine Einigung gibt, ist eine Übergangszeit sehr wahrscheinlich – und du solltest nicht damit rechnen, dass von heute auf morgen alles umspringt.
B) Mehr Klarheit bei „außergewöhnlichen Umständen“
Ein Dauerärgernis: Was ist wirklich „außergewöhnlich“ (keine Entschädigung) und was nicht? In einer Reform könnte es:
- klarere Definitionen geben
- und möglicherweise Listen/Leitplanken, die Streit reduzieren
Für dich ist das wichtig, weil viele Ablehnungen genau daran hängen.
C) Rerouting (Ersatzbeförderung): schneller, fairer, auch über andere Airlines?
In der Praxis ist nicht die Entschädigung das größte Problem, sondern: Wie komme ich heute noch ans Ziel?
Eine Reform könnte hier nachschärfen – etwa mit:
- klareren Regeln, wann Airlines dich auch über alternative Verbindungen ans Ziel bringen müssen
- schnelleren Prozessen
- digitaleren Abläufen
Wenn das kommt, ist das für Reisende oft mehr wert als jede Pauschale.
D) Beschwerden & Fristen: einfacher, digitaler, weniger „Ping-Pong“
Ein realistischer Reform-Hebel ist nicht „mehr Geld“, sondern weniger Bürokratie:
- standardisierte Formulare
- klare Antwortfristen für Airlines
- bessere Informationspflichten (was steht dir zu, wann, wie?)
Das erhöht die Chance, dass du deine Rechte wirklich bekommst – ohne 12 Mails.
E) Handgepäck & Zusatzgebühren: mehr Standard, weniger Überraschungen?
Auch das ist Teil der Debatte: Was ist „normaler Reisebedarf“ und was darf extra kosten?
Hier sind Anpassungen denkbar (z. B. klarere Standards bei Gepäck), aber: Solche Punkte werden häufig sehr intensiv verhandelt und sind weniger sicher als die Kernthemen Entschädigung/Rerouting.
4) Was ist 2026 realistisch – und was eher nicht?
Ohne Glaskugel, aber mit Logik aus EU-Gesetzgebung:
Realistisch 2026
- intensive Verhandlungen (Trilog-Phase)
- schrittweise Einigung bei „Prozess-Themen“ (Information, Beschwerden, Rerouting-Pflichten)
- politischer Kompromiss bei der Entschädigung (entweder Schwellen-Anpassung oder 3-Stunden-Beibehalt, evtl. mit neuen Bedingungen)
Weniger realistisch
- „Alles wird sofort anders“ ab einem beliebigen Datum
- drastische Vereinfachung ohne Übergang
- völlige Abschaffung der Entschädigung (dafür ist der Widerstand in der Regel zu groß)
Merke: Für deine Reisen in 2026 planst du am besten so, als würde die heutige EU261-Logik weiterhin gelten – und beobachtest Updates nur als Bonus.
5) Was du als Passagier jetzt schon tun kannst (das bringt sofort etwas)
1) Immer „Ankunftszeit“ dokumentieren – nicht nur Abflug
Entschädigungslogik hängt an der Ankunft (wann du tatsächlich am Ziel bist). Screenshots vom Status, Boardingpässe, Buchungsbestätigung: alles sichern.
2) Bei Problemen: erst ans Ziel kommen, dann ums Geld
Wenn es brennt, ist das beste Geld-Move oft: Ersatzbeförderung klug organisieren (statt sich am Schalter festzufahren).
Und genau hier hilft dir ein schneller Plan B.
3) Umstiege 2026 konservativer planen
Knappe Umstiege sparen selten Geld – kosten aber im Störfall richtig.
Faustregel: Lieber eine Verbindung mit solider Umsteigezeit als „Sprint am Gate“.
4) Nicht getrennte Tickets basteln, wenn’s wichtig ist
Zwei Einzeltickets können beim verpassten Anschluss teuer werden. Wenn der Trip wichtig ist: lieber durchgehende Verbindung bzw. eine Buchung, bei der die Weiterreise abgesichert ist.
5) Betreuungsleistungen aktiv einfordern
Essen/Hotel/Transfer sind nicht „Kulanz“, sondern häufig Pflicht bei langen Wartezeiten. Wenn keine Voucher kommen: angemessen selbst zahlen, Belege sammeln.
6) Der McFlight-Tipps für Störfall-Sicherheit
Wenn du buchst, denk nicht nur an den Preis – denk an „Wie komme ich im Notfall weiter?“
Auf McFlight hilft dir das besonders durch:
- Flexible Reisedaten (±2–3 Tage)
- Nearby Airports (Alternative Abflughäfen)
- Sortierung nach kürzester Reisezeit / frühester Ankunft
- Filter auf max. 1 Stopp und sinnvollere Umsteigezeiten
7) Beispiel: „Aus 3 Stunden werden 6?“ – was das praktisch bedeuten würde
Angenommen, die Schwelle würde steigen (nur als Szenario):
- Viele Verspätungen, die heute entschädigt werden, würden künftig nur Betreuung auslösen, aber keine Pauschale.
- Dadurch wird es noch wichtiger, dass du:
- Ersatzbeförderung schnell bekommst
- deine Zusatzkosten sauber dokumentierst
- und die richtige Ticketstruktur wählst
Heißt: Egal wie es ausgeht – der „smarte Reisende“ gewinnt über Planung, nicht über Hoffnung.



