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Flug Tallinn (Estland)
„Pulsierende Kapitale im Baltikum“
Nach fünf Jahrzehnten kommunistischer Tristesse ist die sinnenfrohe Gier der Menschen in der Hauptstadt der Republik Estland trotz der Unabhängigkeit schon seit 1991 ungebrochen.
Hier in der am nördlichsten gelegenen Stadt direkt am Finnischen Meerbusen lebt mit mehr als 400.000 Einwohnern in etwa ein Drittel der estnischen Gesamtbevölkerung.
Sie ist ein Bilderbuch-Idyll, ein mittelalterliches Schmuckkästchen. Stundenlang kann man durch die mit wunderschön herausgeputzten Häusern aus dem 11. bis 15. Jahrhundert gesäumten Kopfsteinpflastergassen schlendern. Der alte Geschützturm „Dicke Margarete“, das gotische Rathaus mit dem Platz („Raekoja plats“), davor die Olaikirche mit ihrem heute nur noch 124 m hohen Turm (bis zum Brand 1629 mit 159 m das höchste Gebäude) und natürlich die barocke Alexander Newski-Kathedrale mit ihren Zwiebeltürmen auf dem Domberg sind genug Gründe, warum die Altstadt des früheren Reval von der UNESCO 1997 zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Die alte Häuserstadt an der Ostsee durchlebte eine abwechslungsreiche Geschichte – dänische Könige, der Deutsche Orden, der vernichtende Brand auf dem Domberg 1684, die todbringende Pestepidemie 1710, der Zar Peter der Große, die Schweden, der Freiheitskrieg 1916 – 1918, deutsche Besatzer und die Sowjetmacht hinterließen ihre Spuren. Die mittelalterlichen Stadtmauern, die Kalksteingothik des dreischiffigen Domes, die St. Nikolaikirche, die Heiligengeistkirche, das Schwarzhäupterhaus, Klöster der Dominikaner und Zisterzienserinnen und das Schloss Katharinental am Stadtrand sind weitere Zeugnisse der Vergangenheit, ebenso wie architektonische Sünden im sozialistischen Stil.
Tallinn hat aber auch jede Menge Lebensart: traditionelle in urigen Altstadtkneipen mit deftigen Spezialitäten und vorzüglichem Bier, internationale in Szene-Bars, Diskotheken und Restaurants, wo der Brückenschlag zwischen estnischer, skandinavischer, russischer und auch deutscher Küche vollzogen wird. Für Kunstfreunde ist ein Besuch des KUMA Art Museum, das größte seiner Art in den baltischen Staaten, ein Muss. In 2008 als „European Museum of the year“ ausgezeichnet, zeigt es moderne Kunst und estnische Malerei ab dem 18. Jahrhundert auf 24.000 qm Ausstellungsfläche.
In der neuen City nahe der Altstadt machen sich die großen Einkaufszentren „Viru Keskus“ und „Kaubamaja“ breit, das größte „Ülemiste“ erreicht man mit dem Trolleybus. Bekleidung, Schuhe, Sportartikel und vieles mehr gibt’s zu moderaten Preisen, vielleicht ein Grund, warum die „Bierelche“ aus Finnland mit der Schnellfähre in weniger als 2 Stunden zum Einkaufen und billigen „Alkoholtanken“ in Scharen hier einfallen. So fällt es auch leichter, für ein paar Stunden der Stadt den Rücken zu kehren, um im 60 km entfernten Lahemaa-Nationalpark die Seele baumeln zu lassen. In dieser stillen Landschaft mit Mooren, Wäldern, Seen, Wiesen und kleinen Flüsschen kann man ausgedehnte Wanderungen oder Radtouren unternehmen. Gutshöfe vom deutsch-baltischen Adel aus dem 18. und 19. Jahrhundert liegen inmitten dieses Idylls (z. B. „Palmse“), Fischerdörfer wie Altja und Ferienörtchen wie Käsmu versprühen den Charme vergangener Zeiten.
Es gibt also genug Gründe, dieser mittelalterlichen und gleichzeitig quicklebendigen Metropole im Nordosten Europas einen Besuch abzustatten. Das gute Gefühl modernster Lebensqualität und große Traditionsverbundenheit wird Sie überzeugen.



